Unsere kleine Prinzessin
In den besten Familien kommt es vor: die Kinderplanung war eigentlich schon abgeschlossen, als Eltern war man "aus dem gröbsten raus", hatte gerade wieder begonnen, sein eigenes Leben als Paar zu genießen, da die Kinder langsam in einem Alter waren, wo sie sich auch mal ein wenig mit sich selbst beschäftigen können, und dann die Nachricht! "Herzlichen Glückwunsch, Sie sind noch einmal schwanger!" Das war nicht der Plan.
Trotzdem freut man sich dann natürlich doch auf den "Nachzügler". Und wie das Schicksal so spielt, hat man ehe man es sich versieht, eine kleine Prinzessin zu Hause. Sie wird verhätschelt und vertätschelt, auf das Liebevollste umsorgt und - wie könnte es anders sein - nach Strich und Faden verwöhnt. Nesthäkchen eben.
Schnell entwickelt sich die süße Kleine zu einer kleinen Diva, die natürlich um ihre Status weiß und keine Gelegenheit verstreichen lässt, diesen auch voll auszunutzen. Sie kann sich erlauben, ihr Essen zu verschmähen und weiß, sie wird augenblicklich ein neues präsentiert bekommen. Sie kann sich erlauben, ihren Prinzessinnenstatus im Haus mit allen Regeln der Kunst auszukosten. Wenn es beispielsweise um's Aufräumen geht, dann ist sie noch zu klein und muss verschont werden, genauso auch bei der Mithilfe im Haushalt. Das können dann die großen Geschwister übernehmen. Bei einem Streit unter Geschwister ist sie natürlich nie die Schuldige.
Es ist offensichtlich, dass der Prinzessinnenstatus viele Vorteile in sich birgt. Trotzdem kann es auf Dauer auch anstrengend sein für die lieben Kleinen. Vor allem dann, wenn sie langsam flügge werden. Für die Eltern ist es sehr schwierig, ihren kleinen Liebling ziehen lassen zu müssen, ihn loszulassen. Viele begehen den Fehler, zwanghaft zu versuchen, die Kleinen nicht groß werden zu lassen, sie festzuhalten und immer als Kind zu sehen. Denn auch die kleine Prinzessin von damals wird irgendwann groß und möchte auf eigenen Beinen stehen, eigene Erfahrungen machen und selbstständig die Welt entdecken.